Himmelfahrt 2018


Wenn der Goldbär auf Reisen geht, oder „ein Vampir geht immer“

Es ist Himmelfahrt und es gibt zweiVarianta 37 in Stralsund, die bewegt werden wollen. Also trifft sich ein Teil der Mitarbeiter der Firma Haribo mal privat und unternehmen eine Inselumrundung auf Störtebeckers Spuren. Lautlos und Endlos sind die beiden Yachten und auf jeder gibt es vier Mitsegler.

So werden am Donnerstag um 0950 Uhr bei 1007hPa die Leinen eingeholt und die kleine Brücke über den Kanal hinter dem Ozeaneum frei gegeben so dass wir zügig raus auf den Sund kommen. Dort angekommen machen Tino und seine Crew und wir ein paar Übungen um den noch unerfahrenen Seglern eine kleine Sicherheit zu geben. Danach nehmen wir Kurs auf Hiddensee. Durch den betonten Seeweg geht es nordwärts und ein paar kleine taktische Plänkeleien verkürzen die Fahrt. Im Abzweig Jasmunder Bodden angekommen entscheiden wir uns zur Weiterfahrt. Doch wohin? In den Bodden selbst, hat keinen Zweck. Aus dieser Richtung kommt der Wind mit 15kn. Also raus auf die Ostsee. Nur aus Spaß eine Stunde hoch am Wind Richtung Nord und danach wieder zurück. Doch jetzt biegen wir nach steuerbord ab in den Kanal nach Vitte. In den Stadthafen dürfen wir nicht, somit geht es steuerbord zur Marina. Dort suchen wir uns einen Liegeplatz und nachdem die Leinen um 1530 Uhr fest sind, gibt es den ersten Manöverschluck.

Heute ist Himmelfahrt und so bleiben wir nicht lange an Bord. Inselerkundung zu Fuss mit dem Ziel eine Pinte zu finden die 8 Segler satt macht. Wir haben sie gefunden und geschmeckt hat es auch noch. Doch für den Absacker ging es zurück zur Marina. Hier auf der Grillwiese finden wir noch eine Bank und so lassen wir den Tag ruhig ausklingen. Ein aufziehendes Gewitter zwingt uns dann in die Kojen und der Regen in der Nacht bringt eine Abkühlung.

Heute ist Freitag und es gilt großes zu erreichen. Für unsere Segelanfänger heißt es heut das Kap Arkona zu runden. Um 0820 Uhr gehen die Leinen los und bei starkem Nebel verlassen wir den Hafen. Im betonten Fahrwasser lässt es sich trotz Nebel gut fahren. Entgegenkommer gibt es nicht und die Mitläufer achten alle auf gleichen Abstand. Im Bereich der Kanaleinmündung dann ein Schauspiel was man sich anschaut, aber selbst nie erleben möchte. Es gibt einen Festsitzer außerhalb der Betonnung. Das geht natürlich bei diesen Sichtverhältnissen sehr schnell. Er hatte durch einen zweiten Segler schon eine Leinenverbindung hergestellt, so dass wir nicht eingreifen mussten. Endlich raus aus der Suppe und frei auf der Ostsee 0930 Uhr und 1014hPa.
Der Wind kam mit 14kn und so konnten wir mit 6-7kn Fahrt über Grund die Umrundung in Angriff nehmen. Es gab dann zwischenzeitlich eine Flaute, danach wieder Segel hoch und dann endlich 90 Grad querab das Kap Arkona um 1145 Uhr. Hurrrraaaa für unsere Neulinge das erste Kap unter Segeln, auch wenn gerade der Motor mitlief. Um 1400 Uhr hatten wir dann die Kreidefelsen querab und um 1500 Uhr die Leinen fest in Saznitz.

Gleich das Anlegerbier und danach ein Bier und dann in die Hafencity auf ein Bier. Tisch war reserviert im Fischereihafen bei der Ostpreußischen Hafenräucherei. So das der Fisch gleich im Bier baden konnte. Es schmeckte allen und somit verschwanden wir auf einen Rundgang zum U-Boot und an den Terrassen entlang um sich einen Überblick zu verschaffen, was geht hier ab. Ein Besuch lohnt sich schon, also einmal, naja wenigstens von außen, oder aus der Ferne. Es ist halt ein altes Boot was an aktiven Kampfhandlungen während des Falklandkonfliktes auf der Seite der Engländer teilgenommen hatte.

Es ist Samstag und um 0800 Uhr gehen bei 1012 hPa die Leinen los. Kurze Hafenrundfahrt um mal in die Ecken zu schauen, vorbei an der DGzRS Station und danach raus bei krassen 0Bft in Richtung ???? Süd. Wohin werden wir sehen. Es gibt einen Plan A, B, C und es wird am Ende Plan L = Lauterbach. Es ist ein Segeltag zum Verzweifeln. Selbst die Mücken überholen einen und die Segel bleiben eingepackt. Prora aus der Ferne erkundet. Im Komplex sollten durch die Organisation Kraft durch Freude (KdF) 20.000 Menschen gleichzeitig Urlaub machen können. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die Bauarbeiten 1939 eingestellt. Um 1950 begann der Aus- und Umbau weiter Teile des nunmehr Prora genannten Torsos zur monumentalsten Kasernenanlage in der  DDR, Prora wurde zur militärischen Sperrzone. Der „Koloss von Prora“ ist der Kern des Komplexes und bestand aus ursprünglich acht auf einer Länge von 4,5 Kilometern entlang der Prorer Wiek aneinandergereihten baugleichen Blöcken. Drei Blöcke wurden zwischen 1945 und 1949 bis auf wenige Segmente zerstört. Es verblieben fünf Blöcke auf einer Länge von etwa 2,5 Kilometern, die nach 1945 nacheinander durch Sowjetunion, DDR und das vereinigte Deutschland militärisch genutzt wurden. Nach Abzug der Bundeswehr standen die Gebäude überwiegend leer und verfielen. Seit 2004 werden die Blöcke einzeln veräußert und zu Wohn- und Hotelanlagen umgestaltet. Ab 1500 Uhr konnten wir dann endlich wieder die Segel hochziehen. Doch da waren wir schon bei der Ansteuerung Lauterbach. Hier ging es gleich in die Marina und lagen nebeneinander um 1610 fest.

Heute war der Plan die mitgebrachten Grills zu benutzen um dann die Reste an Alkohol zu vernichten. Essen war gut und den letzten Tropfen nahmen wir dann im Stadthafen wo das Segelschulschiff Greif fest lag. Es ist die alte Wilhelm Pieck und jeder kann sich dort einschreiben um mal einen Törn mitzumachen. Anschauen unter: www.sssgreif.de.

Es kommt der Sonntag, oohhhh - unser letzter Tag an dem wir wieder in Stralsund einlaufen müssen. Davor liegt die Ziegelgrabenbrücke und die hat Öffnungszeiten. Wir wollten 1520 Uhr nehmen und trotzdem noch vorher einen sportlichen Törn haben. So ging es 0820Uhr bei 1012hPa los. Vor dem Hafen die Segel hoch und bei gutem Kurs und 8-10kn Wind mit 6-7kn durch das Wasser. Nach Erreichen des Stralsunds rechts einbiegen und mit raumen Wind zügig durch die Passage. Höhe Wolfsschanze dann für mich eine Zahl rund gemacht und weiter durch die „S-Kurve“ zur Werft. Wir hatten einen Frachter der von hinten aufkam und auch durch die Brücke will. Na wenn der durchfährt, fahren wir mit. Wir haben alles gegeben doch als wir an der Brücke war, ging sie runter. Für kurze Zeit schauen wir alle ein wenig betröpfelt drein, doch dann entscheiden wir uns für ein Matchrace zwischen den Yachten. Ich voraus und Tino hinterher. Doch beide Yachten waren gut getrimmt und so konnte ich ihn nicht abschütteln und er mich nicht einholen. So muss das sein bei zwei gleich starken Yachten. Denn wenn dann die Mannschaft gut arbeitet, hat keiner einen Vorteil. Nach der Wende dann er voraus und wir hinterher. Doch mußten wir kurz abreißen lassen da es bei der Wende bei uns eine kleine Verletzung gab, und das war dann erst einmal wichtiger. Danach wieder Geschwindigkeit aufnehmen und Abstand halten. Fazit: alle finden es super.

Wir stehen dann wieder vor der Brücke und mit der nächsten Öffnung rauschen wir durch. Jetzt noch tanken und danach festmachen. Hier noch ein Tipp zur Tankstelle. Sie liegt am Nordufer in einer kleinen Einbuchtung. Es schaut gemütlich aus, aber eine Yacht kann in dieser Bucht nicht mehr gedreht werden. Ich habe es versucht, auch geschafft, aber die Aufregung braucht man nicht. Fahre frontal rein und frontal rückwärts raus. Als um 1600 Uhr die Leinen fest waren, kommt das große packen und Tschüß sagen.

Aber man sieht sich zweimal.
Oder wie die Haribos sagen, „Ein Vampir geht immer“

Bis die Tage
Burkhard

Im Uhrzeigersinn um die Insel