Die "SEEWOLF" , eine HR42 auf Ostseerunde.


Blog von Seewolf


 Ich bin dabei von Tallin nach Mariehamm, ein 7 Tagestörn über die Ostsee, mit Renate und Peter


Die Anreise nach Tallin erfolgte direkt von Berlin mit Baltic Air. Nur das die Airlines das Reisegepäck auf 20kg beschränkt machte mir Sorge. Der Flug war pünktlich und der Transfer zur Marina erfolgte Problemlos. Jetzt bin ich schon das zweite Mal hier und muss feststellen, es hat sich einiges verändert. Gerade das Hafenviertel mit den neuen Hochhäusern. Am Hafeneingang Volksfest mit Bühnen und Verkauf und die Seewolf mittendrinn. Kurzer Anruf bei Renate und sie lässt das Tor öffnen. Gepäck abstellen und Peter unsere dritte Person begrüßen und ab zur Bühne um in Geselligkeit etwas Warmes für den Bauch zu ordern. Bier gibt's auch und eine Künstlerin die singen kann aber nicht zu verstehen ist. Tradition verpflichtet, und so singt sie in ihrer Muttersprache. Der Abend wird kurz werden, denn wir wollen gegen sechs starten um rüber nach Hanko in Finnland zu kommen.

Nach dem Ablegen gemütlich durch das Hafenbecken und an der Mole vorbei Kurs Nord mit Motor, bis wir frei sind und dann sofort die Segel hoch. Kein Sportbootverkehr zu sehen nur die Cruser Lines kommen geballt auf uns zu.
Als erstes "Mein Schiff" danach die "Aida Mar" und später eine Costa. Mit je 2000 Personen an Bord wird Tallin wieder aufgefüllt. Doch wir sind weg und somit schauen wir nach vorne. Der Himmel ist blau und der Druck von 1009hPa steigend läßt nur Gutes erwarten. Der Wind weht mit 12 - 18 kn und so geht es mit Vollzeug raus, mit dem Ziel erstmal Strecke nach Nord zu machen, mit den Winddreher nach Osten zu segeln und am Abend wieder Nord zu gehen. Aus Nord wird NW und aus Ost wird SO also kreuzen und Höhe halten. Die Seewolf eine HR42 steckt das prima weg und Segel dicht holen bei der Wende macht die elektrische Winsch.
Gegen 2000 Uhr sehen wir die Landspitze von Hanko sowie Kichturm und Leuchtturm. Doch sehen und erreichen sind zwei paar Stiefel. Es dauert noch fünf Stunden bis die Leinen fest sind am Steg. Es ist Montag früh und unser erstes Bier auf finnischem Boden und quatschen bis 0315 Uhr. Jetzt noch bis 0900 Uhr schlafen und wieder ablegen mit Ziel Rosalla

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Der Weg zwischen den "Steinen" beginnt. Genau deshalb segelt man hier und nicht vor Greifswald. Schärensegeln bedeutet, der Wind kommt ständig aus der falschen Richtung. Es wird immer an den Schoten gezogen, einreffen, ausreffen und dabei nicht den Wachrhythmus vergessen. Der Plan lief immer durch von Leine los bis Leine fest. Somit gab es immer eine Freiwache zum persönlichen Gebrauch. Im NO der Insel Rosalla gibt es eine kleine freundliche Bucht mit einem Steg an dem über Kopf mit Heckboje festgemacht wird.

An allen Stegen werden immer freundliche Segler sein, die für das Aufnehmen der Bugleinen bereit stehen. Es gibt in Finnland eine fast schon übertriebene trotzdem sehr freundliche Art der Unterstützung. Lücke ist da und Boje auch, also ran. Das hat die Boje gehört und versteckt sich unter unserem Kiel. Sie kommt leider nicht freiwillig wieder vor. Also ausziehen und in die Fluten stürzen. Danach die Boje mit Gewalt durch den Schlitz zwischen Schraube und Ruder zwängen und erfreut feststellen, daß sie an der anderen Seite auftaucht. Wir sind frei und werden mit ihr keine Verbindung mehr eingehen. Ein Segler hat die Idee an der Pier von der Tanke fest zu machen. Er rennt auch zum Wart und holt die Erlaubnis ein. Es wird sogar ein dort liegendes Motorboot umgelegt um Platz zu machen. Einfach super die Leute. Wir machen fest und laden unseren neuen Freund zum Abend ein. Er kommt und erzählt uns von seinem Törn kommend aus Helsinki und weiter nach Mariehamm. Es gibt noch Tipps für die nächsten Tage wo es schöne Buchten und Stege gibt.

Es ist Mittwoch und wir legen gegen 0700 Uhr ab mit Ziel Jurmo. Unsere Tagesetappen legen wir jetzt immer auf ca.25sm fest. Die Überfahrt ist super wie jeden Tag denn Wind und Wetter spielen mit und diese Überfahrt ging schnell da der Wind konstant aus Nord kam und uns auf 6kn beschleunigt. Die Insel ist einer von den Tipps. Auch das wir anrufen sollen, was wir auch machen und so werden wir an der Pier von einer Mitarbeiterin empfangen, die uns den Weg zu unserem Liegeplatz zeigt. Der Bereich ist klein und eng doch es werden hier alle Yachten reinkommen die später noch erscheinen. Eine für mich neue Technik lerne ich kennen. Päckchen liegen hinter einander. Es geht hervorragend nur man muss es einmal gesehen haben. Unser finnischer Nebenlieger und wir bekommen noch ein englisches Seglerpaar mit dem Bug zwischen uns. Wir helfen und verstehen uns gut. Er wird später noch auf ein Glas Whisky zu uns kommen um danke zu sagen. Dafür hol ich die Klampfe raus und wir beide singen gemeinsam Streets of London, Molly Malone, Salley Gardens und Sacrborough Fair.

Danach wieder in die Koje und am Donnerstag um 0700 Uhr ablegen. Wie gewohnt ganz locker. Der Engländer nimmt die Leine weg, wir rutschen durch, danach wieder Leine fest und wir segeln und er geht wieder schlafen. Durch unsere frühen Ablegezeiten wollen wir erreichen, immer vor 1600 Uhr an unseren neuen Etappenziel zu sein. Der Grund ist das wir mit 42Fus nicht in die zweite Reihe gehen können und immer Steganschluß benötigen. Es wird immer klappen genauso wie heute in Köka. So heiße die Insel, doch wir gehen in eine Bucht im Norden.

 

Beim Segeln gibt es nur Erholung. Die ganze Woche werden wir keinen Regen bekommen und Winde sehr moderat aus dem nördlichem Sektor. Unsere Bucht hat zwei Stege sowie einen kleinen Kiosk und eine Gaststätte. Zum ersten Mal können wir duschen und haben ein Porzellan WC. Alles werden wir in Anspruch nehmen. Doch auch die Wanderung ins Innere der Insel muss sein. Was gibt es hier, Stechfliegen. Klasse. Uns vergeht nach 45 Minuten die Lust und so schleichen wir uns zurück zum Schiff. Zum Abend auf die Terrasse vom Restaurant und feststellen, uns geht es gut. Auch freies WLAN gibt es hier. Ein wenig Post machen und einer Motorradgruppe zusehen, die ihre Maschinen für die Nacht aufstellen. Sie werden in vorhandene Holzhütten einziehen und hier pausieren.

Doch wir werden dann weg sein wenn sie starten. 0700 Uhr heißt die Losung. Traumhaftes Segeln bis Degerby. Heute mal einen neuen Kulturpunkt auf der Liste. Hafenkino heißt es heute.

Teil 1 deutsches Segelboot zu zweit festmachen mit dem Wind.
Teil 2 bis Teil 1245 gerade festmachen.
Eigner mit neuer Yacht und dem Klischee ich habe Steuer und Frau hat Leinen. Dazu nehme man noch eine gewisse Lautstärke, damit Frau besser hört und los geht das Kino. Nach einer Stunde ziehen wir los die Insel zu erobern, die Frau zieht noch an der Yacht und nach dem Besuch der Insulaner kehren wir mit unseren Einkauf zurück und sehen die Yacht immer noch schräg. Später hinzu gekommene Yachten drängen sich an dem einen Ende des Steges und liegen im Päckchen, obwohl bei der Schrägyacht Platz ist. Nur das hin und her schwojen will sich keiner antun.

Egal, wir haben einen gemütlichen Abend und legen am Samstag wieder gegen 0700 Uhr ab mit dem Ziel Mariehamm. Es werden sich jetzt die Farben der Steine in einen rötlichen Ton verändern. Leider verändert sich der Wind in 0 Bft. Es wird unser Motortag werden und ihr wisst ja wie ich das liebe.

Es kommen die großen Fähren und schön viel Verkehr auf uns zu. Die Einfahrt ist wie ein Bienenstock. Es wuselt nur so und die Fähren nehmen sich ihren Platz zum Anlegen. Einige drehen sogar noch auf engsten Raum.

 

Im Hafenbereich liegt dann Steuerbord die Pommern, ein restaurierter P-Liner und dahinter der Sportboothafen. Zum ersten Mal eine ordentliche Marina.

Mariehamm ist die Hauptstadt der Aaland-Inseln. Es fand auch gerade ein Oldtimertreffen statt und ein Hafenfest mit Bühne und Shows. Alles für uns, denk ich?!

Nach 7 Tagen waren wir mit 208sm von Tallin hier her unterwegs gewesen. Keine Verletzungen und kein Schaden sowie tollen Eindrücken macht einen gelungenen Törn.

Bis die Tage
Burkhard