Kangerlussuaq - Reykjavik
25.08. - 08.09.15


Von Grönland nach Island

Es gibt ja mehrere Arten von Seereisen, wobei die mit einer Segelyacht mir die liebste ist. So ging es auf Expeditionsfahrt von Grönland nach Island.

Also los am 26.08. mit dem Flieger ab Berlin nach Reykjavik mit Zwischenstopp in Kopenhagen. Die Isländische Hauptstadt ein wenig durchforscht und ab ins Hotel um am nächsten Tag mit dem Flieger weiter nach Söndre Stömfjord auf Grönland. Dort mit Bus weiter zum Fjordende um an Bord zu gehen. Gehen geht nicht.

An Pontons warten Zodiacs um uns gerade bei Niedrigwasser über seichte Stellen in der Bucht zum Schiff zu bringen. Koje beziehen und warten bis zur Abfahrt. Erste Erkundungen an Bord. Einige holen schon die warmen Sachen hervor andere machen sich mit der wackligen Natur des Bootes vertraut  und ich genieße die Natur. Ja, wie sieht die aus. Kein Baum, kein Strauch es gibt gerade mal Gräser und kleine Seen die durch Schmelzwasser entstanden sind. Nach Abschluss  der „An Bord gehen „ Aktion kommt der Anker hoch und es geht gleich los mit Ziel offene See. Wir liegen hier im Fjord und haben rund 90sm vor uns, bevor das offene Wasser erreicht ist. Doch das ist dann schon dunkel und ich stehe allein draußen und genieße den ersten Hochgletscher am Berg der bis zur Kante reicht und dann als Wasserlauf den Berg herunter kommt.

Es wird eine ruhige Fahrt bei Kurs 200 Grad bis dann der Ausgang erreicht ist und wir nach Nord drehen. Hier steht eine Bö von 20kn Wind aus 190 Grad und sie drückt uns gut nach Nord, aber auch ein paar Leute aus den Kojen. Nachdem der Kurs NORD steht und Ruhe einzieht, geht das schlafen weiter. Vor uns liegen 300sm bei 1008hPa und abnehmenden Wind. Nach 50 Stunden werden wir die Discobucht queren und weiter ziehen bis zur Ortaschaft Uummannaq.
Wir sind auf 70040`Nord ; 52007`West unserem nördlichsten Punkt der Reise angekommen.

Eine Insel mit zwei Bergen und dem Weihnachtsmann als Sommerresidenz. Also die warmen Schuhe angezogen und los die Hütte suchen um den Wunschzettel  los zu werden. Wir finden die Hütte doch es reicht ein Blick vom Berggipfel. Für Elke, Simone und mir geht es zurück. Peter ist der Beauftragte zum „Altern Mann“ zu gehen. Er war mal in einem früheren Leben ein „Karibu“ und geht über die losen Steine sehr trittsicher. Ich nehme die Frauen und schaukle den Weg zurück zur Ortschaft. Dort suchen wir einen Verkaufsladen und staunen nicht schlecht über Angebote wie Steinofenpizza aus Deutschland. Von Land haben wir einen super Blick auf Eisberge und auch die Geräusche welche entstehen wenn einer „kalbt“.

Nach vier Stunden Fußmarsch geht es zurück an Bord um den Ancker zu lichten. Kurs SÜD liegt an um eine Felsengruppe zu runden den dort kommt ein Gletscher ans Meer. Doch bis dort liegen 170sm vor uns die in der Nacht abgespult werden.

Gegen 0900 Uhr am 30.08.15 sind wir vor Ort und genießen einige Sonnenstrahlen. Wir wissen jetzt noch nicht, daß es die letzten dieser Fahrt sein werden. Ab dann scheint sie nur noch hinter Wolken, Regen und Schnee. Das Eis nimmt die Farben des Lichtes auf. Das Blau des Eises gibt nicht alles zurück. Es entstehen Reflektionen, die man gesehen haben muss weil eine Beschreibung nicht möglich ist. Wir bleiben nur um den Kaffee zu trinken und werden auch keinen Anker setzen. Nur schauen und dann langsam wieder raus aus dem Eisfeld. Die Growler  sind gut auszumachen und es ist wichtig nicht mit dem Ruder oder Schraube sie zu berühren. Der Rest ist 6mm Stahl und kann das locker ab.

Nächster Halt diesmal mit Hafenbesuch ist Illulisat. Doch nebenan liegt ein sehr aktiver Gletscher der uns die Tour versaut. Zu viel Eis vor der Tür, kein reinkommen. Hierbei handelt es sich um Eisberge von 30-50m Höhe die zusammengeschoben wurden.  Wenn die Strömung sich ändert kann es sein, das diese sehr schnell auseinander getrieben und dabei zerbrechen  werden und wir stecken mittendrinn.  Also mit schweren Herzens abdrehen und weiter nach Süden den nächsten Hafen suchen.

Mit Sisimiut steht dann bald unser nächstes  Ziel fest. Doch die 175sm bei kaum Wind und 1009hPa müssen jetzt erst einmal runter geritten werden. Eine Ortschaft, die typisch für Grönland ist. Häuser am Meer angereiht um die Versorgung zu sichern. Der Hafen ist vom Fischfang geprägt, auch wenn nicht viel aus dem Meer geholt wird. Ein holländischer Segler ist auch da und bereitet sich für die Rückfahrt vor. Wir genießen im Regen die Ortschaft, machen Besorgungen und merken, dass es gar nicht so leicht ist mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Auf der Straße sind meine Versuche gescheitert. Sie sprachen alle Grönländisch. Englisch gab es nur im Postamt, im Sportausrüster und der Bank.

Es geht wieder los, denn wie sagt das Sprichwort: Hier ist der Hund (alle Hunde) begraben.

Ab zu einer richtigen Stadt und da bietet sich natürlich die Hauptstadt Nuuk an. Sie liegt auf dem Weg und Platz ist da, also los die 195sm auf einer Backe abgeritten und ran an die Pier. Endlich mal fest an Land. Wir wollen einen Kochkurs mitmachen. So wie die Ureinwohner vor zig Jahren gelebt haben. Ab in die Wildnis und ........... nichts kochen. Es gibt rohen Fisch.
Von Lachs, Kabeljau, Stockfisch, Gammelhai und Langusten bis zu Wahlhaut mit Blubber (Fett). Nichts für einen Fleisch verwöhnten Magen, also lieber Topfkuchen mit Rosinen und eine Tasse Kaffee. Es werden noch Geschichten erzählt, wie man hier vor Jahren gelebt hat und auch die politische Situation in der sich Island befindet erläutert. Irgendwann ist gut und das Bordleben wartet.
Wir wollen weiter und unser nächstes Ziel liegt 340sm entfernt und heißt Narsarsuaq

Eine ruhige Überfahrt, doch am Ziel werden wir vom Schneefall in den Bergen überrascht. Wir liegen am Steg im Fjord und die Berge um uns herum steigen auf 1000m an. Es ist interessant, wie die obere Hälfte langsam zuschneit und wir haben noch ruhiges Wetter. Die einheimischen Behörden geben aber für 1500 Uhr eine Warnung raus. Es ist 0900 und somit bleiben uns ein paar Stunden um wenigstens die erste Siedlung aus dem 9. Jahrhundert zu besichtigen. Hier soll Erik der Rote nach seiner Auswanderung von Island gelebt haben. Er errichtete auf dem Fjordufer gegenüben die Siedlung Brattahlíð. Die einheimischen haben Recht, gegen 1530 Uhr stellt jemand die Windmaschine von 1Bft auf 8Bft innerhalb von 10Minuten um. Die Eisberge liegen im Fjord und wir müssen hier raus, sonst hängen wir bis zur nächsten Eiszeit fest.

Also Leinen los und Richtung Süd mit Ziel Prinz Christian Sund. Hier wollen wir abkürzen um nicht um die Südspitze Grönlands fahren zu müssen. Es ist ein Fjord mit drei größeren Gletschern die ihr Eis nicht halten können und „ kalben „ alles in den Fjord. Bedeutet für uns, dass im schlimmsten Fall der Fjord dicht ist. Trotzdem ab zur Einfahrt, die erst einmal gesucht werden muss. Klar man hat Koordinaten doch die Einfahrt zwischen den Bergen ist schon zu suchen. Wir stehen bei 7Bft gegen an und schleichen uns in den Fjord. Drin ist es ruhiger aber auch kälter und die Wolken hängen zeitweilig bis zum Wasser. Die Durchfahrt ist eng, ca. 80m breit und zwei Kontakte haben wir. Eine Segelyacht mit uns und eine Motoryacht gegen uns. Nach 55sm sind wir durch und sehen nichts. Starker Nebel mit Sichtweite um 150m macht ein gespenstiges Ambiente.

Es geht auf Kurs 70 Grad die Ostküste hoch bis zur querab Island liegt das werden wir nach 200sm erreicht haben. Ankunft in Stykkishólmur bei Regen und tief hängenden Wolken. Das Wetter läßt ein sicheres manövrieren nicht zu. Also mal wieder vor Anker liegen die Gummiente ausgepackt und rüber an Land. Die Überfahrt wird feucht bis naß doch das kann alles im Bus trocknen. Rundfahrt zu einigen markanten Punkten auf der Westküstenhalbinsel Snaefellsjökull mit seinen gleichnamigen Vulkan auf 64080`N ; 23078`W.
Leider ist er für die Überquerung gesperrt. Dort oben ist schon Winter und wir haben Sommerbereifung. Pech gehabt weiter rund herum und trotzdem viel Interessantes gesehen.

Irgendwann geht es zurück an Bord und Anker hoch für die letzte Etappe nach Reykjavik. Es liegen 112sm vor uns bevor die Leinen für uns nicht mehr gelöst werden. Wir haben es geschafft und sind in 14 Tagen von Grönland nach Island gefahren.

Es hat uns gefallen auch wenn Simone der Meinung ist „Muss man nicht zweimal haben“ bin ich doch froh das Sie dabei war. Für mich war es das fünfte mal auf Island, trotzdem könnte ich hier immer mal wieder hin.

Bis die Tage
Burkhard

 

 

Wieder zurück, keine Erfrierungen und fast gesund.