Ijsseltörn


Andreas und Burkhard am 27.07 / 28.07. 07 auf dem Maarker Meer

Zwei Mann auf einer Bavaria 30 mit Kurs quer durch das Maarker Meer. Klingt gut und kann auch so werden. Handicap, einer kann nicht segeln. Andreas war zum ersten Mal auf einer Segelyacht. Ab Naarden ging es am 28.07. früh los. Ein Ziel gab es noch nicht, da Naarden sehr südlich liegt und der Wind aus NW kam.
Es bestand die Vorstellung vielleicht nach Amsterdam zu gehen. Als die Leinen los und die Hollandbrücke unterquert war, gingen die Segel hoch und wie kreuzten hart am Wind nach Nord. Bei 4Bft machte das richtig Spaß und auch Andreas war zufrieden, denn das gestrige Abendessen blieb dort wo es war. Auf Höhe Insel Pampas wird es Zeit für die Entscheidung. Links nach Amsterdam, rechts nach Marken – Horn – Lelystadt. Nach Amsterdam bedeutet kreuzen und zur anderen Seite Raumschot und das war gemütlicher. Also Richtung Ost mit Ziel Lelystadt.
Nur mit Vorsegel machten wir trotzdem 5 kn über Grund bei 15kn Wind. Der Autopilot gab mir von Zeit zu Zeit eine Pause oder Andreas versuchte die Yacht auf dem Wasser zu behalten. Das Land hatte eine eigensinnige Anziehungskraft so das er immer weiter nach Steuerbord kam. Es sind die Steuerfehler eines Anfängers. Kurs halten ohne Ziel am Horizont ist nicht einfach.
Leider konnte man schon gegen Mittag erkennen, das der Himmel sich veränderte. Windböen kamen häufiger und brachten die ersten Zeichen von schlechtem Wetter. Wer lange nicht in Lelystadt war, sollte sich nicht über die veränderte Einfahrt zum Hafen und der Schleuse wundern. Es gab ja schon immer zwei Einfahrttore in den Bereich, doch der hintere am alten Stadthafen ist verlegt worden. Die alten Koordinaten stimmen nicht mehr. Du kannst die Länge um 1 Grad verringern, dann stehst Du vor der neu geschaffenen Einfahrt. Wir waren auch dort und hatten achterlichen Wind von 20 kn und machten unter Vorsegel 5-6kn über Grund. Einige Segler nehmen von der Schleuse kommend diese Ausfahrt auf das Maarker Meer.
Leider hatte ich auch ein paar Pfeifen vor mir auf Gegenkurs. Ich musste Platz machen und wollte dies auch, doch jedes Mal drehten die auch ab und liefen wieder auf meinen Kurs. Den Motor wollte ich eigentlich nicht starten, doch wenn die nicht wissen wohin muß ich wohl oder übel, denn sie hatten Backbordbug. Als nur noch 20-30m zwischen uns liegen merken die wohl selbst, was für ein hin und her sie veranstalten und ziehen endlich über Steuerbordbug weg. Doch das schönste ist, die hatten den Motor an und das Segel war Alibi. Bei diesen Winden schlug es hin und her und das Ruder lief dem Steuermann immer aus der Hand.
Als wir auf einer Höhe waren hob er zwar die Hand und winkte, doch eine Pfeife bleibt er trotzdem. Ich winkte zurück mit der Handfläche vor der Stirn. Nach dem Theater rein in den neuen Vorhafen wo das Wasser ruhig war. Es wehte immer noch ganz schön aber es gab keinen Wellengang mehr. Über Funk kamen die ersten Anfragen zur Schlepperhilfe. Einige unserer Segler lagen auf Leegerwall und kamen mit eigener Maschine nicht mehr weg. Einen Katamaran traf es ganz hart. Er musste mit Mastbruch abgeborgen werden. Zum Glück ist auf die Holländische Küstenwache verlass. Wir lagen an unserem Steg vor Wellenschlag geschützt und das reichte mir auch. Allein verlegen in eine Box wollte ich nicht bei diesem Wind.

  

Nach 25sm konnte das erste Bier aufgemacht werden dem dann eine Ortserkundung folgte und das zweite Bier. Die Kneipe im Hafen war auch kaum besucht, da ein "Draußen sitzen" nicht ging und es drinnen einfach zu klein ist. Aber bei mir ist noch keiner verhungert. In der Nacht hatte der Wind gedreht und an Stärke verloren. Es war eine ruhige Nacht und gegen Morgen hatte der Wind nochmals die Richtung geändert und stand uns für die Rückfahrt nach Naarden 30 Grad gegenan. Unter Vollzeug raus und ohne Kreuz hart am Wind kamen wir bis zur Tonnenkreuzung Naarden – Amsterdam.
Jetzt wurde es ganz ruhig. Großsegel runter und nur mit Vorsegel nach Süden zum Hafen. Die Einfahrt ist eng aber durchaus gut zu befahren. Jetzt noch tanken und dann in die Box. Es klappte alles ohne Stress und so konnten wir gegen 17.00 Uhr unsere Yacht verlassen und die Heimreise antreten. Ich war zufrieden, denn mir ging es darum Wind im Gesicht zu haben. Kein bestimmtes Ziel und zwei Tage nur segeln. Ob Andreas das auch so sieht, weiß ich nicht genau. Ihm hatte es die Stimme verschlagen, so das es eine ruhige Heimreise wurde.

Bis die Tage

Burkhard

 

PS: Nach Fertigstellung des Berichtes

- Andreas hat es gefallen, er ist halt manchmal ruhig